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Jugend und Leben

Was ist "Kultur"?
Neulich sollten wir im Geschichts-Leistungskurs den Begriff „Kultur“ definieren. Dazu fragte mein Lehrer, welcher Kultur wir uns denn zugehörig fühlen würden. Es kamen alle möglichen Antworten: Ein Mädchen fühlte sich als Hamburgerin, weil ihre ganze Familie da herkomme und da immer noch wohne, außer eben ihr selbst. Ein anderer Junge fühlte sich als Dörfler, denn er lebe schon immer in einem Dorf und genieße es, dass er jeden kenne und jeder ihn kenne. Ein anderer Junge meinte, er halte nicht viel von solchen Einteilungen in „meine Kultur – deine Kultur“ und sehe sich selbst als Weltbürger.
Ein anderer Junge fühlte sich als Musiker und nannte die Musik seine Herkunft. Der Lehrer fragte auch mich, und ich finde die Frage für mich ziemlich schwierig. Einerseits fühle ich mich als Italiener. Meine Mutter ist Deutsche, ich habe zwar (noch) beide Staatsbürgerschaften, bin in Deutschland geboren, habe immer hier gelebt und habe insgesamt nur einige Monate Urlaub in Italien verbracht. Außerdem spreche ich natürlich besser Deutsch als Italienisch. Mich verbindet viel mit Deutschland. Trotzdem bin ich stolz darauf, mich Italiener nennen zu können – ich will in diesem Land nicht Deutscher sein.
Deutscher sein ist nicht schlecht, es ist sogar toll, aber ich finde Italiener in Deutschland sein noch viel besser. Ich bin stolz darauf, dass ich Ausländer bin. Zumindest sehe ich mich als Ausländer. Verleugnen kann ich aber das Deutsche, das in mir doch stark vertreten ist, natürlich nicht. Ich muss sogar zugeben, dass mich Preußen und preußische Werte durchaus faszinieren. Als Letztes bin ich Frankreich-Fan, auch wenn das spätestens seit der WM 2006 wohl schwierig anzusprechen ist. Mich faszinieren Sprache, Land und Menschen; ich habe mich während meiner Frankreich-Aufenthalte immer sehr wohl gefühlt.
Diese vier Dinge – der Italiener in mir, meine deutsche Herkunft, meine Faszination für das Preußische und Frankreich – sind schwer zu kombinieren. Preußisch und Italienisch passen nicht zusammen, die Mentalitäten sind einfach zu verschieden. Zackig, elitär, geradlinig – das ist nicht wirklich Italienisch. Auch Italienisch und Französisch sind schwer vereinbar – schon in kulinarischen Angelegenheiten treten die ersten Schwierigkeiten auf. Camembert oder Parmigiano? Ciabatta oder Baguette? Vom Wein nicht zu sprechen! Entsprechend kompliziert wird es, wenn man thematisch den Vorratsschrank verlässt. Somit beschränke ich mich darauf, mich als Ausländer zu fühlen. Das reicht für’s Erste! Aber ich finde es interessant, sich diese Frage für sich selbst zu stellen. Ich habe mit einen Menschen darüber gesprochen und wurde einmal gefragt, welche Kultur ich dieser Person zuordnen würde.
Meine Antwort war, dass ich das nicht könne. Ich denke, jeder muss sich seine Kultur selbst suchen, denn man kann als Kultur alles Mögliche werten. Und es geht ja nicht darum, den Begriff „Kultur“ so zu verstehen, wie er im Lexikon steht. Wenn jemand meint, seine Herkunft liege in der Musik, dann ist das seine Kultur, auch wenn der DUDEN das anders sieht. Ich fordere also jeden auf, sich diese Frage zu stellen. Wie deutsch bist Du, wenn Du schon seit zwanzig Jahren hier lebst? Wer weiß, vielleicht gibt Dir die gefundene Antwort Anlass, Deine Meinung über Dich selbst vollkommen zu verändern.
Also, welcher Kultur gehörst Du an? Schreibe mir eine Nachricht bei Facebook, hinterlasse mir einen Pinnwandeintrag oder schreibe mir eine E-Mail mit dem Betreff "Kultur"! Facebook: http://www.facebook.com/matteosoli.cdi
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