Notiziario

Jugend und Leben

Erfolg macht Spass

Ende Januar habe ich zwei Wochen lang Praktikum gemacht, in einem Forschungsinstitut in Frankfurt. Dort beworben hatte ich mich mit der Intention, einen Einblick in das Arbeitsleben eines Forschers zu bekommen, allerdings war die institutseigene Redaktion – zuständig für die Institutszeitschrift und die Zusammenarbeit mit den Verlagen bezüglich der Veröffentlichungen der Forscher des Instituts – die einzige Stelle dort, die Praktika vergab. So nutzte ich die Möglichkeit, eine andere Form von Journalismus kennenzulernen. Ohnehin haben diese Redaktion und eine Redaktion einer Tages- oder Wochenzeitschrift wenig gemeinsam; in der Institutsredaktion werden keine Artikel geschrieben. Diese kommen von den zuständigen Forschern, die hier Buchrezensionen, Artikel, Projektbeschreibungen o.Ä. veröffentlichen. So wie ich das erlebt habe, werden in der Redaktion größtenteils Beiträge korrekturgelesen. Dabei sind die Anforderungen für den Korrekturleser relativ hoch – alle Beiträge sind für eine eigene, bestimmte Fachschaft bestimmt, die sich mit dem Thema auskennt. Als Korrekturleser muss man wenigstens soweit Ahnung haben, um mit einem solchen Text umgehen zu können, und das bei vielen verschiedenen Themen, die auch sehr ins Detail gehen.

Zum Beispiel der erste Text, den ich korrigieren sollte: Er war von einer osteuropäischen Professorin auf Deutsch – also nicht ihrer Muttersprache – verfasst worden und knapp 40 Seiten lang. Mein Praktikumsbetreuer hatte den schon verbessert und seine handschriftlichen Verbesserungen wurden auf das Word-Dokument übertragen. Mir wurden die Originalversion mit den handschriftlichen Verbesserungen und die digital verbesserte Version ausgehändigt und mein Arbeitsauftrag war, zu überprüfen, ob alle Verbesserungen richtig übertragen wurden, außerdem sollte ich gegebenenfalls weitere Korrekturen vornehmen. Als ich dachte, dass 40 Seiten nicht sehr viel seien, habe ich mich geirrt: Ich verbrachte neun Stunden mit dieser Aufgabe. Es war komplizierter, als ich anfangs dachte. Ein anderes Beispiel ist noch deutlicher: Ich sollte die 20-seitige Publikationsliste aller Forscher des Instituts anhand einer „Zitierstilliste“ auf formale Richtigkeit überprüfen. Ich sollte Dinge überprüfen wie: Ist das Jahr der Veröffentlichung in Klammern gesetzt? Kommt nach jeder Veröffentlichung ein Punkt? Sind die Autorennamen mit Komma, nicht etwa mit Semikolon o.Ä, abgetrennt? Ich fand es interessant, mich so genau mit solchen Details zu beschäftigen, das war wohl der Preuße in mir. Andererseits war ich nach 15 Seiten müde. Dies führt mich dahin, wo ich eigentlich hinwollte: Diese Arbeitsaufträge hören sich, für sich genommen, nicht spannend an. Tatsächlich gab es bei diesen und ähnlichen Aufgaben anstrengende Momente. Ich entdeckte dabei aber zwei Dinge: Erstens – das lässt sich aber leider wohl nicht auf die Allgemeinheit übertragen, deswegen halte ich es hier kurz – haben mir die Arbeitsaufträge trotz der gelegentlichen Eintönigkeit großen Spaß gemacht, weil ich ziemlich gerne korrigiere. Zweitens – das ist der Punkt, den man übertragen kann – hatte ich das Gefühl, dass es weniger die Aufgabe selbst ist, die einem Spaß an der Aufgabe verschafft, sondern vor allem der Erfolg. Genauer gesagt, das Gefühl, eine Sache gut gemacht zu haben. Ich denke, dass Lob von Vorgesetzten dieses Gefühl verstärken kann, aber nicht notwendig ist. Man kann auch trotz Lob seine Arbeit schlecht finden, und dieses Gefühl mag niemand. Mindestens aber denke ich, dass der Faktor Aufgabe und der Faktor Erfolgsgefühl gleichberechtigt sind.